Dienstag, 21. 11. 2017

Gut verteilte Besucherströme bei der 27. Ausbildungsbörse

Rund 25 Prozent der Schüler erschienen am späten Nachmittag mit ElternEin schöner Erfolg
Bei der 27. Ausbildungsbörse am 20. September 2017 gab es nicht nur Tausende konstruktive und informative Gespräche zwischen engagierten Ausstellern und interessierten Jugendlichen sowie deren Eltern, sondern es wurden auch Anekdoten erzählt. Erstmals fand die Veranstaltung von elf bis 18 Uhr statt, der Beginn zwei Stunden später als in den Vorjahren und die Dauer eineinhalb Stunden länger.

Ohne die gewohnte Rushhour-Atmosphäre ging es deutlich entspannter zu, und erstmals begleiteten auch zahlreiche Mütter und Väter ihren Nachwuchs, um sich über das Ausbildungsangebot der mehr als hundert ausstellenden Firmen und Institutionen zu informieren. „Rund 25 Prozent der Schüler erschienen am späten Nachmittag mit Eltern“, so die Einschätzung der Projektleiterin der kommunalen Koordinierungsstelle Anke Kleinbrahm. „Es war die richtige Entscheidung, die Eltern hier als Zielgruppe mit einzubeziehen“, sagt sie. Dies würde jetzt zum festen Bestandteil der Veranstaltung.

Bewährt hat sich auch der erstmalige Einsatz der Scouts, ehemalige Schüler der Klasse 10 B der Hauptschule Langerfeld. Fast einen ganzen Arbeitstag waren sie in Zweier- und Dreier-Teams auf zwei Etagen in allen Räumen der Historischen Stadthalle unterwegs und schauten nach dem Rechten. Es sei interessant, die Veranstaltung nun einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben, befanden die 15- bis 16-Jährigen, die die Ausbildungsbörse 2016 noch als Schülerinnen und Schüler besucht hatten und in der Zwischenzeit erfolgreich in ihr berufliches Leben gestartet sind. Für ihren Einsatz am 20. September 2017 wurden sie von ihren Arbeitgebern freigestellt.

Bergisches Schul-Technikum zdi-Zentrum BeST
An den Ständen gab es für die Besucherinnen und Besucher vieles zum Entdecken und Ausprobieren. Beim Bergischen Schul-Technikum zdi-Zentrum BeST im Majolika Saal West konnten sie den 3D-Druck testen und vieles mehr – auch an den Ständen der sechs Partnerunternehmen des zdi-Zentrums BeST: K.A. Schmersal GmbH & Co. KG, Knipex-Werk C. Gustav Putsch KG, Axalta Coating Systems Germany GmbH, BUCS IT GmbH, Gebr. Becker GmbH und Vorwerk Elektrowerke GmbH & Co. KG. Petra aus dem Siepen vom zdi-Zentrum BeST ist zufrieden mit der Besucherfrequenz an ihrem Stand. „Ja, das interessiert uns. Da möchten wir uns anmelden!“, sagten die Schülerinnen und Schüler, die das Programm der neuen Kurse des zdi-Zentrum BeST mitnahmen.

Ausbildung in der Altenpflege
Am Vortag des Welt-Alzheimertages, der 2017 am 21. September begangen wird, und in der Woche der Demenz vom 18. bis 24. September 2017 präsentierten die Altenpflegeheime der Stadt Wuppertal im Mendelssohn Saal ausgewählte Stationen eines von der Psychologischen Psychotherapeutin Monika Wilhelmi im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Evangelischen Stiftung Tannenhof entwickelten Demenzparcours. Wie fühlt es sich an, unter erheblich erschwerten Bedingungen – weniger hören, undeutlich sehen, zittern – ein Puzzle, seitenverkehrt durch einen Spiegel wahrgenommen, zusammenzusetzen oder eine Puppe anzuziehen, während man dicke Handschuhe trägt? Aufgabe sei dabei auch gewesen, wahrzunehmen, wie man selbst reagiere und sich zu fragen: „Wie schnell verliere ich die Geduld?“, sagte Ramona Körber von der Personalabteilung der Altenpflegeheime der Stadt Wuppertal. Dabei habe sich herausgestellt, dass die teilnehmenden Jungen geduldiger waren als die Mädchen, ergänzt sie.

Pflegeausbildung wird reformiert
Die städtischen Altenpflegeheime haben es sich zum Ziel gesetzt, unter Beachtung der individuellen Persönlichkeit und Lebensqualität behinderten und pflegebedürftigen Menschen ein Zuhause zu schaffen. Dabei steht im Vordergrund immer der einzelne Mensch mit seinen Wünschen, Bedürfnissen und Möglichkeiten. Insgesamt sieben Standorte gibt es in Wuppertal. Zehn Auszubildende hätten in diesem Jahr ihre Ausbildung dort angetreten, so die Leiterin Jasmin Scranowitz. Gerne dürften es in Zukunft noch ein paar mehr sein, ergänzt sie. 2019 verändere sich die Ausbildungsordnung. Künftig wird es Generalisten geben, die sich nach zwei Jahren spezialisieren können. Der Einzelabschluss in der Krankenpflege soll abgeschafft werden. In allen Pflegeschulen beginnt die Ausbildung dann mit einer zweijährigen Pflegeausbildung. Im Anschluss entscheiden die Auszubildenden, ob sie im dritten Jahr die allgemeine Ausbildung mit einem bestimmten Schwerpunkt fortsetzen oder im Bereich der Kinderkranken- oder der Altenpflege den klassischen Abschluss wählen. Einen Einzelabschluss soll es dann nicht mehr geben. Fachkräfte mit der zukünftigen generalistischen Ausbildung, die einen Schwerpunkt in der Kranken-, Alten- oder Kinderkrankenpflege haben, sollen in allen drei Berufsfeldern einsetzbar sein. Eine Bewerbungsmappe habe sie am heutigen Tag nicht in Empfang genommen, aber es hätten sich bis zum frühen Nachmittag vier Jugendliche gemeldet, die an einer Praktikumsstelle interessiert gewesen seien, so Scranowitz.

Praxisbeispiel der Stuckateurs-InnungQuantität versus Qualität
Deutlich besser schnitten die Mädchen auch bei den Ständen der Innungen der Kreishandwerkerschaft ab. „Während die Jungs eher Präsente sammeln, stellen die meisten Mädels interessierte Fragen.”, so Kreislehrlingswart Andreas Conrad. Zur neuen Zeitgestaltung sagte er: „Ich fand es erfrischend gut!” Die Besucherströme hätten sich sehr gut über den Tag verteilt – insbesondere am Nachmittag. Dabei sei die Quantität insgesamt gleich geblieben, doch die Qualität habe abgenommen, ergänzt Malermeister Oliver Conyn. Riesige Quantität bei suboptimaler Qualität konstatiert auch Falko Wichelhaus am Stand der Elektro-Innung. Die meisten Jugendlichen seien einfach vorbeigegangen, zwei bis drei gute Gespräche habe er geführt, nachmittags habe insgesamt ein Elternteil Halt bei ihm am Stand gemacht. „Ich würde dafür plädieren, wieder auf die alte Zeit umzustellen“, so Wichelhaus.


Finanzbeamte als EntertainerFinanzbeamte als Entertainer
Deutlich besser war die Stimmung bei den Vorträgen des Rahmenprogramms. Im Vortragsraum 1 führte Stefan Slomsek (links im Bild, Foto: © Dagmar Tigges) – unterstützt von Fee Lesser (Mitte) und Sebastian Puppel (rechts) – in die duale Ausbildung zur Finanzwirtin bzw. zum Finanzwirt ein. Die drei nahmen der Reihe nach Vorurteile und Klischees aufs Korn, die sich ums Finanzamt ranken. Dabei gelang es ihnen unter dem Titel „Ich habe nichts gegen Finanzbeamte – Sie tun ja nichts oder vielleicht doch???“ das Image des Finanzbeamten aufzuwerten. Sympathisch, offen und humorvoll bezogen sie das Publikum immer wieder ein und forderten zum Dialog auf. „Zufriedenheit im Job ist ein riesiges Gut, das man schützen muss!", betonte Slomsek und erzählte die eine oder andere Anekdote – zum Beispiel von einem Bewerber, der gefragt worden sein soll, warum er sich denn gerade für eine Ausbildung beim Finanzamt beworben habe. Dessen Antwort: „Ich bin Mitglied in einem Fitnessstudio und da kommen ganz viele Finanzbeamte hin, die alle so einen glücklichen und zufriedenen Eindruck machen.“

Text: Dagmar Tigges

Fotos: Carsten Kobow (sofern nicht anders vermerkt)

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