Dienstag, 21. 11. 2017

Ganz gute Noten

Ausbildungsbörse konnte wieder punkten
Professionell organisiert, gelungene Ausstellermischung, viel Resonanz: Die Mehrheit der Besucher und Aussteller bei der 23. Ausbildungsbörse am 10. Oktober 2013 in der Wuppertaler Stadthalle war zufrieden. Doch es gab auch kritische Stimmen.

Blick in den großen SaalMehr als 90 Aussteller präsentierten ihre Aus- und Weiterbildungsangebote. Vertreten waren sowohl die großen Firmen der Region, Kammern, Innungen und Verbände als auch die Ausbildungsvermittlung des Jobcenters, die Agentur für Arbeit und die Wuppertaler Berufskollegs.

Viele der ca. 3.500 Jugendlichen nahmen ausgewählte Aussteller gezielt unter die Lupe wie zum Beispiel Abdullah Yildrim (17), Muart Umer (16) – beide türkischer Herkunft – und Giovanny Matoleo (17) aus dem Kongo. Fünf bis sechs Stände inspizierten sie gemeinsam. Besonders interessierten sich die drei in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Schüler des Berufskollegs Werther Brücke für Metallberufe. Sie seien froh, dass in Deutschland die Ausbildung gut organisiert und kostenlos sei, sagten sie. Die Broschüren und Flyer, die sie erhielten, wanderten in rote Taschen. Schon am Eingang hatten die ersten Jugendlichen die begehrten Trophäen der Stadtsparkasse einheimsen können. Doch es wurden nicht nur rote Taschen verteilt. „Wir haben hier schon zwei Bewerbungen entgegengenommen. Eine Besucherin wollte auch ein Konto bei uns eröffnen.“, verkündeten bereits kurz vor halb zehn Bastian Weierstall (Bankkaufmann, 2. Lehrjahr) und Sebastian Eckhoff (1. Lehrjahr). Die beiden Auszubildenden bei der Stadtsparkasse Wuppertal hatten Standdienst mitten im Trubel des großen Saales.

Interessierte Schülerinnen am Ausstellerstand„An unserem Stand hatten wir viele gute Gespräche. Einige Interessierte wollen sich bewerben.“, resümierten Tobias Ellmer und Lukas Neumann, beide im 2. Lehrjahr der Ausbildung zum Mechatroniker bei Brose Schließsysteme. „Das Interesse der Messebesucher an technischen Berufen scheint zuzunehmen.", beobachtete Roger-Stephan Langenfeld, Ansprechpartner für Ausbildung bei der Firma Vaillant. Etwas überdimensioniert findet er einige Messestände. „Das sollte man beim Ausstellungsaufbau überdenken.“, monierte er. Das Hauptanliegen sollte doch nur eine Gesprächssituation sein.

Michael Busch, Personalleiter bei ALDI Nord: „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz. Vor allem das Duale Studium und das seit zwei Jahren am Start befindliche ALDI Azubi Camp mit seinem Seminarprogramm findet reges Interesse."

Doch es wurde nicht nur gebüffelt, sondern auch gerappt. Mit einer Dauertraube von Zuschauern um den kleinen Eckstand war die Schule für Tontechnik einer der bestbesuchten Plätze in der Stadthalle. Stephan Kuczera: „Die Musik wurde von Schülern unserer Schule komponiert. Die Messebesucher rappen dazu. Da sind einige richtig gut. Wir nehmen durch längere Performancepausen Rücksicht auf den Charakter der Messe.“

Im Offenbach-Saal war das Handwerk konzentriert. Hier präsentierten sich die Innungen der Kreishandwerkerschaft bereits zum zweiten Mal nach ihrer gelungenen Premiere 2012. Zwei weibliche Auszubildende bearbeiteten am Stand der Dachdecker-Innung Schieferplatten. Bei der Bau-Innung werden keine Mauern hochgezogen. „Jedes Jahr scheinen sich mehr Jugendliche für das Handwerk zu interessieren.“, so Bernhard Wiemer, Lehrlingswart bei der Bau-Innung.

Jede Menge weiblicher Besucherinnen zog der Stand der Friseur-Innung an. Hier gab es nicht nur Informationen zur Berufsausbildung, sondern auch Frisiertipps. „Nach wie vor ist das Friseurhandwerk eine eindeutige Domäne der Frauen.“, so Sascha Bomann, Leiter der Berufsausbildung bei der Kreishandwerkerschaft. Andreas Schick, Lehrlingswart bei der Friseur-Innung: „Auf 30 Bewerberinnen kommt ein männlicher Bewerber.“

Unter den Besuchern waren nicht nur Schülerinnen und Schüler. Die Studentin Bianca Sepideh Alipor, die im 2. Semester den Masterstudiengang Wirtschaftswissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal studiert, hat sich vorab im Internet über die Börse informiert. „Ich finde gut, dass wichtige Unternehmen der Region hier gebündelt auftreten.“, kommentierte sie die Veranstaltung.

Die Börse, die als eine Institution in Sachen Ausbildung in der Region gilt, präsentierte sich insgesamt munter und informativ wie eh und je. Etwas wehmütig blickt Anja Scharfenbaum zurück. Im vergangenen Jahr hatte die Studienrätin am Berufskolleg Elberfeld die 22. Ausbildungsbörse noch mit ihrem Kollegen Daniel Rieken ehrenamtlich organisiert. Als Initiatoren und langjährige Ausrichter der Wuppertaler Ausbildungsbörse haben sich die kaufmännischen Berufskollegs Elberfeld und Barmen, die die Börse 22 Jahre lang im Wechsel organisierten, verdient gemacht. Zielstrebig gelang es ihnen, die Veranstaltung, die eine hohe Akzeptanz sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Ausbildungssuchenden hat, als ein äußerst erfolgreiches Format zu etablieren. Nun liegt die organisatorische Verantwortung bei der Wirtschaftsförderung, dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit. „Die Ausbildungsbörse ist in gute Hände gekommen.“, sagte Oberstudiendirektorin Brigitta Bitterich, Schulleiterin des Berufskollegs Barmen, Europaschule auf Nachfrage. Die Veranstaltung war aufgrund des immensen Arbeits- und Zeitaufwandes von den Berufskollegs ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen.

Das neue Orga-Team hat sein Versprechen, die Börse in der gleichen Qualität weiterzuführen, bei der ersten Auflage unter neuer Federführung eingelöst, wenn auch einige Besucher die Bewerbungsmappen der Schülerinnen und Schüler vermissten, die in früheren Zeiten die Galerie zierten. Einige später eingetroffene Messebesucher waren enttäuscht, dass etliche Aussteller – darunter auch die Innungen der Kreishandwerkerschaft – schon weit vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung ihre Stände abbauten. Ein suboptimales Vorbild gab ausgerechnet die Stadt Wuppertal ab. Sie demontierte ihren Stand schon ab 14 Uhr.

Nach der Ausbildungsbörse heißt vor der Ausbildungsbörse. Die Terminplanung für das Jahr 2014 hat schon begonnen.  Denn auch im kommenden Jahr soll es wieder heißen „SchülerInnen treffen Unternehmen.“


Dagmar Tigges

Suche

Der Internetauftritt der Ausbildungsbörse wird unterstützt von: