Dienstag, 21. 11. 2017

1. Wuppertaler Nacht der Ausbildung

Erfolgreicher Auftakt

Mehr als 150 Teilnehmer nutzten die „1. Wuppertaler Nacht der Ausbildung“ am 18. November 2011. Die abendlichen Unternehmensbesuche gewährten Jugendlichen und ihren Eltern einen Einblick in Bereiche, die sonst verschlossen bleiben. Die Journalistin Anke Schoen fuhr die Nachtschicht im Zeichen der Ausbildung mit.

 

Kurz vor 16.30 Uhr: Es fängt schon deutlich an zu dämmern. Der Feierabendverkehr rauscht an der Stadthalle vorbei. An der Haltestelle warten Jugendliche mit ihren Eltern auf den Bus. Ein großes S – wie Sonderfahrt steht vorne auf dem Leuchtdisplay. Der Wagen der WSW hat heute einen besonderen Fahrplan. Acht Wuppertaler Unternehmen werden angesteuert.

 

Wenn die Firmentore eigentlich schon längst verschlossen sind, wird den Schülern und den sie begleitenden Eltern Einblick in Fabrikationen und Verwaltungen gewährt. Die Schüler besuchen die Klasse 10 und stammen von Schulen aus dem gesamten Stadtgebiet. Acht Unternehmen, Du Pont, Becker, Leonhards, Knipex, Muckenhaupt und Nusselt, Schaeffler, Vorwerk Elektrowerke und die Wuppertaler Stadtwerke, sind dabei. Die Nacht der Ausbildung ist keine Wuppertaler Erfindung. Sie wurde bereits in einigen anderen Städten wie zum Beispiel Dortmund, Mannheim und Kassel erfolgreich durchgeführt.

 

Mehr als 150 Teilnehmer sind in dieser Nacht zu Wuppertaler Unternehmen unterwegs. Der Shuttleservice fährt halbstündig die Unternehmen an und bringt alle wieder zum Ausgangspunkt zurück. Neben der Stadthalle am Johannisberg ist auch die Haltestelle am Barmer Bahnhof Ausgangspunkt für die Exkursion.

 

Kontakte herstellen, Perspektiven eröffnen

Heike Domagalla von der Wuppertaler Wirtschaftsförderung betreut das Projekt. Es richtet sich an alle Schulformen und wurde im Vorfeld intensiv beworben. Geduldig beantwortet Heike Domagalla Fragen der Erziehungsberechtigten. „Wir möchten die Eltern einbinden. Sie sollen sich aktiv mit den Berufswünschen ihrer Kinder auseinandersetzten“, erläutert die Wirtschaftsförderin. Anschließend ist sie froh, dass alle Teilnehmer einen Platz in einem der zwei Busse gefunden haben. Zur Ruhe kommt sie deshalb nicht. Alle erhalten Informationsmaterialien und kleine Präsente. Eine Broschüre, in der sich die acht Unternehmen vorstellen, ist auch dabei.

 

„Normalerweise ist das Kennenlernen eines Unternehmens nur über eine Betriebsbesichtigung oder ein Praktikum möglich“, so die Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung. Die Unternehmen stellen jungen Menschen auch Berufsausbildungsgänge vor, die bisher vielleicht noch nicht so sehr im Fokus der Schüler stehen“, ergänzt Heike Domagalla. Schließlich sei es Ziel der Aktion, Kontakte herzustellen und Perspektiven zu eröffnen.

 

Ihr Kollege, Wirtschaftsförderer Michael Bluhm, erklärt, dass viele Jugendliche immer länger zur Schule gehen möchten. Dabei sei es in Zeiten von drohendem Fachkräftemangel sinnvoll, früher in den Beruf einzusteigen. „Eine Ausbildung kann auch ein guter Zwischenschritt sein, um später noch einen Meister oder ein Studium drauf zu satteln“, rät der Experte. „Wir wollen die Jugendlichen für eine Ausbildung begeistern.“

 

Leonard muss erst gar nicht begeistert werden, er ist es schon. Der 15-Jährige mit kurzen, dunklen Haaren, Adidas Jacke und Baggy Jeans ist Schüler der Hauptschule Cronenberg. Leonard möchte in die Fußstapfen seines Vaters treten, der Elektriker ist. „Ich hoffe, dass ich einen Ausbildungsplatz finde“, sagt er. Sein Vater, der im Bus direkt neben ihm sitzt, ergänzt: „Ich wünsche mir eine Arbeitsstelle mit Perspektive. Mein Sohn soll beste Aussichten für das spätere Berufsleben haben.“

 

Bewerbungen erwünscht

Bei den Wuppertaler Stadtwerken gibt es Cocktails zur Begrüßung: Pina Colada, Caipirinha – natürlich ohne Alkohol – und noch einige Köstlichkeiten mehr stehen auf dem Tisch. Die Auszubildenden der WSW drücken den Ankömmlingen gleich bei der Ankunft eines dieser lecker schmeckenden Getränke in die Hand. Dominik Borlinghaus erklärt seinen Arbeitsplatz. Der 17-Jährige informiert Interessierte über seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik. Die WSW sind einer der größten Arbeitgeber im Raum Wuppertal. Als kommunaler Energieversorger und Mobilitätsanbieter beschäftigen sie rund 3000 Mitarbeiter und über 170 Auszubildende in 22 Ausbildungsberufen. Noch immer sind nicht alle Ausbildungsstellen im Unternehmen besetzt. „Wir hoffen, dass wir noch weitere Bewerbungen erhalten werden“, so Abteilungsleiter Rüdiger Funk.

 

Dominik trägt für das Schweißen eine Maske, unter der seine blonden Haare fast verschwinden. Durch das schwarze Glas des Kopfschutzes erkennt er zunächst nur wenig. Dies ändert sich, sobald das gleißende Licht erscheint. Die Schweißermaske ist wichtig, da sonst die Augen geschädigt werden. „Zu meinen Hauptaufgaben zählt das Schweißen von Rohren“, erklärt der Auszubildende. Darin ist er sogar ziemlich erfolgreich, wie Abteilungsleiter Rüdiger Funk unmissverständlich klar macht. „Dominik hat beim Landeswettbewerb in Aachen den ersten Platz belegt“, sagt sein Ausbildungsleiter. Und zwar in der Kategorie Jungschweißer und Lichtbogenhandschweißen. Darauf ist Rüdiger Funk auch sehr stolz. Genauso wie auf all die anderen Auszubildenden, die „das alles selbst organisiert haben“, wie er immer wieder betont.

 

Was dagegen ein Chemikant ist und welche Fähigkeiten für dieses Berufsbild nötig sind, erfahren die Teilnehmer bei Du Pont. Hier wird Sicherheit groß geschrieben. Zunächst müssen sich alle in eine Liste eintragen. „Damit wir bei einem Brand feststellen können, ob sich noch jemand auf dem Gelände befindet“, erklärt eine Auszubildende für Bürokommunikation. Das führt zwar zunächst zu ungläubigen Blicken, schließlich trägt sich aber jeder brav in die Liste ein. Über einen eigens dafür angelegten Werksweg mit Zebrastreifen gelangen die Gäste schließlich ins Gebäude.

 

60 bis 65 Ausbildungsplätze jährlich

Auf Infotafeln informieren die Anwesenden über die Perspektiven bei Du Pont. Auch die Auszubildenden, 60 bis 65 werden jährlich eingestellt, beantworten eifrig Fragen und klären über die Berufsbilder auf. Die Liste der Berufe ist lang: Chemikant, Elektroniker, Fachlagerist, Industriemechaniker, Kaufmann für Bürokommunikation, Lacklaborant, Maschinen- und Anlagenführer, Produktionsfachkraft Chemie oder Werkfeuerwehrmann können junge Menschen bei Du Pont werden.

„Berufe in der chemischen Industrie erscheinen zunächst einmal unattraktiv“, sagt Roland Somborn, Leiter der Aus- und Weiterbildung, „dabei ist es ein vergleichsweise sicherer Berufszweig.“ Im zweiten Stock können Interessierte mögliche Arbeitsplätze in Augenschein nehmen. Eines der Labore erinnert ein wenig an einen Chemieraum in einer Schule. Zu den Aufgaben eines Chemikanten gehört das Überwachen und Steuern von Maschinen, mit denen chemische Erzeugnisse hergestellt werden. „Das ist ein zentraler Bestandteil der Ausbildung“, erklärt Roland Somborn.

 

Mit dem Shuttlebus geht es schließlich weiter. Es ist schon stockdunkel, als die letzte Station angesteuert wird. Nur die vorbeifahrenden Autos und blinkende Werbetafeln spenden etwas Licht. Der letzte Halt ist das Familienunternehmen Vorwerk. Es ist für seine Haushaltsgeräte, besonders für Staubsauger, bekannt. Beim Betreten des Gebäudes fallen sofort die vielen klugen Wandtexte ins Auge. Werte werden bei Vorwerk groß geschrieben. In grüner, geschwungener Schrift steht da: „Unsere Zusammenarbeit beruht auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt und Fairness.“ Und auch ein Vorwerkmaskottchen, ein grüner Kobold mit großer Mütze, grüßt von der Wand herab.

 

Auslandseinsatz im Partnerunternehmen

Das international aufgestellte Unternehmen, das in mehr als 60 Ländern aktiv ist, kann aus einem sehr großen Bewerberpool schöpfen. Rund 15 Ausbildungsplätze sind jährlich zu vergeben, ungefähr 600 Schulabgänger bewerben sich. „Gute Leistungen in den Hauptfächern sind von Vorteil“, erklärt Tino Bachmann, Ausbildungsleiter bei Vorwerk. Dafür erhalten die Auszubildenden auch einen erstklassigen Englisch-Unterricht und absolvieren einen vier- bis sechswöchigen Auslandseinsatz in einem Partnerunternehmen im europäischen Umland. Das gefällt auch den Auszubildenden gut: Aaron Timberbeil, Industriekaufmann im dritten Lehrjahr, lobt: „Es kann jeder problemlos im Ausland arbeiten.“ Außerdem sind wir in vielen Abteilungen tätig und können rasch Interessensschwerpunkte bilden“, ergänzt Etienne Lohmann, ebenfalls angehender Industriekaufmann.

 

Langsam neigt sich die 1. Wuppertaler Nacht der Ausbildung dem Ende zu. Es wird Zeit für ein Fazit. „Die Jugendlichen waren alle sehr interessiert“, lobt Tino Bachmann. Dennoch hätte er sich mehr Resonanz gewünscht. „Viele junge Menschen kennen die Betriebe nicht. Es wäre schön gewesen, wenn sie die Chance genutzt hätten“, sagt der Vorwerk-Mitarbeiter abschließend.

 

Zwei Vorwerk-Auszubildende begleiten die Teilnehmer zurück zur Haltestelle. In der Zwischenzeit ist es reichlich kalt. Die Frierenden können sich im Pförtnerhäuschen unterstellen. Wenige Tapfere trotzen der Kälte und bleiben an der Haltestelle stehen. Wenig später kommt der Bus. Die Nacht endet gegen 22 Uhr dort, wo sie begonnen hat: An der Haltestelle Stadthalle. Ob der ein oder andere einen Job in einem der Unternehmen findet, das wird die Zeit zeigen. Auf jeden Fall war die 1. Wuppertaler Nacht der Ausbildung ein Erfolg. Für die zweite jetzt schon geplante Nacht der Ausbildung haben bereits mehrere Firmen ihr Interesse angemeldet. Auch für die Teilnehmer war die Tour eine spannende Erfahrung. Nur für die zehn Euro Reisekosten hatte nicht jeder Verständnis. „Bei der Mitte Oktober stattgefundenen Nacht der Industrie Rhein/Ruhr habe ich gar nichts bezahlen müssen“, sagt ein Vater, und ergänzt: „Aber wir leben ja auch in einer finanziell klammen Stadt.“

 



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